Roland Heuer - Violinist und Kammermusiker
Gregor Heuer

Mein Vater
der deutsch-estnische Komponist
Gregor Konrad Heuer
1915 - 1989



 

Mein Vater Gregor Konrad Heuer wurde am 27. Juni 1915 als Sohn des reichsdeutschen Kaufmanns Gregor Heuer in Charkow (Ukraine) geboren.



Berta Sophia Katharina Heuer, geb. Eilmann





Die Mutter, Berta Sophia Katharina Heuer, geb. Eilmann (in Tallinn / Estland geboren) musste ihren Sohn zunächst allein großziehen. Der Vater, ein reichsdeutscher Kaufmann, wurde wenige Tage nach der Geburt von Gregor Konrad Heuer interniert, kam 1918 aus Sibirien zurück und starb wenige Tage später.



Bis zu seinem 18. Lebensjahr lebte Gregor Heuer in Charkow. Bis 1929 besuchte er die "Arbeitsschule" (Grundschule), danach von 1929 - 1933 das "Musik-Theatralische Technikum".






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Studium in Estland


Gregor Heuer 1936




Von 1933 bis 1941 lebte Gregor Konrad Heuer mit estnischer Staatsangehörigkeit in Tallinn, der Hauptstadt der damaligen Republik Estland. Studium (Klavier und Komposition bei Artur Lemba und Artur Kapp) und Abschlussexamen (1937 Komposition und 1940 Klavier) an der Staatlichen Hochschule.

 

Ab 1935 erteilte Gregor Heuer Klavierunterricht und war sowohl als konzertierender Pianist wie auch als Komponist in Estland tätig.

 

1940/41 Solorepetitor an der staatlichen Oper in Reval (Tallinn).

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Umsiedlung... Kapellmeister in Allenstein... Kiew... Gablonz... Krieg und Gefangenschaft


Im Frühjahr 1941 wurde Gregor Heuer als deutscher Umsiedler aus Estland in Deutschland aufgenommen. Im Herbst 1941 wurde er als Kapellmeister an das Landestheater Südostpreussen in Allenstein engagiert. 1942 wurde er vom Ministerium für die besetzten Ostgebiete dienstverpflichtet und in den Osten, nach Kiew, versetzt. In Kiew war Gregor Heuer, neben der Dolmetschertätigkeit beim Sondergericht am Generalkommissariat, als Solorepetitor bei der Großen Oper Kiew unter Intendant Wolfgang Brückner beschäftigt.

Nach Auflösung des Generalkommissariats Kiew kam Gregor Heuer 1943 an das Stadttheater Gablonz/Neiße, wo er bis zur Einberufung zur Wehrmacht als Kapellmeister arbeitete. Am 6. November 1944 kam er zur Wehrmacht und nach der Kapitulation im Mai 1945 in russische Kriegsgefangenschaft, wo er fünf Jahre lang festgehalten wurde.

 


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Neubeginn nach der Gefangenschaft...




Im Mai 1950 wurde Gregor Heuer aus der russischen Gefangenschaft entlassen. All sein Besitz und Habe - Bibliothek, Noten, Manuskripte - waren verloren. Er kam nach Augsburg, wo seine Eltern - seine Mutter war seit 1946 mit dem Lehrer Johannes Manteuffel verheiratet - Arbeit und eine Bleibe gefunden hatten.

An der Musikhochschule in München und am Leopold-Mozart-Konservatorium Augsburg frischte Gregor Heuer in den Jahren ab 1950 sein durch die langen Jahre des Krieges und der Gefangenschaft mitgenommenes Können wieder auf. 1952 legte er in München die Reifeprüfungen in Dirigieren und Kompositon ab, 1953 in Augsburg die Klavierprüfung.



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Aufbau einer Klavierklasse und Konzerttätigkeit...

Gregor Heuer ca. 1956



1952 begann Gregor Heuer wieder mit dem Klavierunterricht und dem Neuaufbau einer privaten Klavierklasse. Bis zum Jahre 1955/56 gelang es ihm, durch eine stattliche Anzahl von Privatschülern seine Lebensumstände allmählich zu verbessern. Auch als Chorleiter und als Klavierbegleiter fand er wieder Anschluss.



Im Herbst 1955 wagte sich Gregor Heuer - nach über 14 Jahren - erstmals wieder auf das Konzertpodium.


Es folgten bis 1963 zahlreiche Klavierabende, hauptsächlich im süddeutschen Raum, sowie Konzerte als Liedbegleiter mit verschiedenen Sängern.


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Pädagoge...


1963 musste sich Gregor Heuer für mehrere Monate in eine Lungen-Heilanstalt begeben. An eine Laufbahn als Konzertpianist war danach nicht mehr zu denken.

Gregor Heuer - letzte Fotografie (?)






Gregor Heuer erwarb sich in Augsburg einen hervorragenden Ruf als Klavier-Pädagoge und unterrichtete unermüdlich bis zu seinem Lebensende.






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Der Komponist Gregor Heuer

 

Artur Kapp und Gregor Heuer

" Die Jahre in der Kriegsgefangenschaft haben meinen Kompositionsnerv zerrissen" schrieb mein Vater Gregor Heuer 1956 in einem Brief an seinen Freund in Tallinn, den Dirigenten Roman Matsov.




Gregor Heuers intensivste Zeit des Komponierens sind die Jahre 1935 bis 1942 in Tallinn / Estland.


In diesen Jahren studierte er auch am dortigen Konservatorium bei Prof. Artur Kapp und Prof. Artur Lemba.



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Gregor Heuer - Kompositionen

Ainult sulle - gedrucktes Lied von Gregor Heuer

Lieder in Tallinn (gedruckt)

"Lind läks magama"
(1937 / Text: Anna Haava)

"Ainult sulle" / "Ein Gruß an Dich"
(ca. 1939 / Text: Anna Haava)

"Sind ootan" / "Dein' harr' ich"
(ca. 1939 / Text: Anna Haava)












Weitere Werke der Jahre 1933 - 1940

"Kellahelinad kaugelt" (Drei Klavierprelüds) für Klavier solo (Else Klement gewidmet)
Viiulisonaat (Violinsonate) für Violine und Klavier
Kontsert klaverile ja sümfooniaorkestrile (Klavierkonzert)
Fantaasia klaverile ja sümfooniaorkestrile (Fantasie für Klavier und Orchester)
Keelpillikvartett (Streichquartett)
"Melodia" für Violine und Klavier (gedruckt 1938 in Tallinn)


1942

Ballett "Surmatants" (Totentanz) für das Landestheater Südostpreussen in Allenstein



Werke nach 1950
Lieder

"Hörst Du?" / Text: Th. Storm (30.12.1950)
"Grab in der Steppe" / Text: Robert Dörflinger (21.10.1953)
"Abschied" / Text: Robert Dörflinger (28.10.1953)
"Sommertag" / Text: Robert Dörflinger (28.10.1953)
"Lob der Stille" / Text: R. Dörflinger (30.10.1953)
"Gewitter" / Text: Robert Dörflinger (3.11.1953)
"Du" / Text: Else-Maria Hassold (30.12.1953) (Centa Strohmeier gewidmet)
"Im Frühling" / Text: Else-Maria Hassold (30.12.1953)
"Der Nachbar" / Text: R.M. Rilke (9.1.1954)

"Sonnenaufgang" / Nach einem Gedicht von R. Dörflinger für Männerchor (21.5.1955) (Uraufgeführt vom Männergesangsverein "Frisch Auf" Augsburg, am 26.11.1955)
"Sonne" / Nach einem Gedicht von R. Dörflinger für Männerchor (22.5.1955)
(Uraufgeführt vom Männergesangsverein "Frisch Auf" Augsburg, am 26.11.1955)

Sonstiges

"Kleine Suite in D" für Klavier vierhändig (18./19. April 1957)

"Übungsstücke für ganz kleine Geiger / Sonatine G-Dur" für Violine und Klavier (28.11.1961)

"Marienlied 1" / Text: Hermann Hesse (7.6.1982)

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Frauen und Familie...

In erster Ehe war Gregor Heuer verheiratet mit der Diplompianistin Else Klement (geboren 1915 in St. Petersburg). Sie starb im Jahre 1942 nach schwerer Krankheit in einem Lungensanatorium in Schömberg (Schwarzwald) nach einem Luftangriff.



Centa Strohmeier





1953 lernte Gregor Heuer in Augsburg die verwitwete Sängerin Kreszens Strohmeier, geb. Pröll kennen. Sie heirateten 1957.

Kreszens Strohmeier brachte aus ihrer ersten Ehe den 1945 geborenen Sohn Peter Strohmeier mit in die Ehe.



1954 kam Sohn Roland zur Welt.





Meine Mutter, Kreszens Heuer, starb am 28. August 1971 nach einem langen Krebsleiden.








Im Oktober 1971 starb Gregor Heuers Mutter Berta Manteuffel im Alter von 83 Jahren.

Im Jahr 1972 heiratete Gregor Heuer seine Frau Maria Karoline Heuer, geb. Hammerl, die 17 Jahre an seiner Seite stand und das Leben mit ihm teilte. Gregor Heuer starb nach längerer Krankheit am 30. März 1989.



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Freunde...


Leider ist es mir unmöglich, die zahlreichen und lieben Menschen, mit denen mein Vater im Laufe seines Lebens in freundschaftlichem Kontakt stand, alle aufzuzählen.

Stellvertretend seien hier diejenigen Freunde genannt, die mein Vater in seiner Zeit in Estland kennen gelernt und mit denen er später in persönlichem und/oder brieflichem Kontakt stand:

Roman Matsov, Tallinn
Harri Kiisk, Stockholm
Juhan Aavik, Stockholm
Carl-Otto Märtson und Eva Wilson-Märtson, Hannover



Nachtrag

Ich bin zur Zeit intensiv auf der Suche nach den Kompositionen meines Vaters aus seiner Zeit in Tallinn. Wenn mir jemand dazu etwas mitteilen kann, würde ich mich über eine Email sehr freuen. Mehr auch im "Tagebuch" bei "Neues".

Mai 2005



Roland Heuer - Violinist und Kammermusiker. © 2005 Roland Heuer
Kontakt | Roland Heuer, Bergweg 1, D-71679 Asperg
e-mail: roland@heuer-asperg.de
telefon: +49(0)7141-661667 | fax: +49(0)7141-6499959