Mein Vater
der deutsch-estnische Komponist
Gregor Konrad Heuer
1915 - 1989

Die Mutter, Berta Sophia Katharina Heuer, geb. Eilmann (in Tallinn / Estland geboren) musste ihren Sohn zunächst allein großziehen. Der Vater, ein reichsdeutscher Kaufmann, wurde wenige Tage nach der Geburt von Gregor Konrad Heuer interniert, kam 1918 aus Sibirien zurück und starb wenige Tage später.
Bis zu seinem 18. Lebensjahr lebte Gregor Heuer in Charkow. Bis 1929 besuchte er die "Arbeitsschule" (Grundschule), danach von 1929 - 1933 das "Musik-Theatralische Technikum".

Von 1933 bis 1941 lebte Gregor Konrad Heuer mit estnischer Staatsangehörigkeit in Tallinn, der Hauptstadt der damaligen Republik Estland. Studium (Klavier und Komposition bei Artur Lemba und Artur Kapp) und Abschlussexamen (1937 Komposition und 1940 Klavier) an der Staatlichen Hochschule.
Im Frühjahr 1941 wurde Gregor Heuer als deutscher Umsiedler aus Estland in Deutschland aufgenommen. Im Herbst 1941 wurde er als Kapellmeister an das Landestheater Südostpreussen in Allenstein engagiert. 1942 wurde er vom Ministerium für die besetzten Ostgebiete dienstverpflichtet und in den Osten, nach Kiew, versetzt. In Kiew war Gregor Heuer, neben der Dolmetschertätigkeit beim Sondergericht am Generalkommissariat, als Solorepetitor bei der Großen Oper Kiew unter Intendant Wolfgang Brückner beschäftigt.
Nach Auflösung des Generalkommissariats Kiew kam Gregor Heuer 1943 an das Stadttheater Gablonz/Neiße, wo er bis zur Einberufung zur Wehrmacht als Kapellmeister arbeitete. Am 6. November 1944 kam er zur Wehrmacht und nach der Kapitulation im Mai 1945 in russische Kriegsgefangenschaft, wo er fünf Jahre lang festgehalten wurde.

Im Mai 1950 wurde Gregor Heuer aus der russischen Gefangenschaft entlassen. All sein Besitz und Habe - Bibliothek, Noten, Manuskripte - waren verloren. Er kam nach Augsburg, wo seine Eltern - seine Mutter war seit 1946 mit dem Lehrer Johannes Manteuffel verheiratet - Arbeit und eine Bleibe gefunden hatten.
An der Musikhochschule in München und am Leopold-Mozart-Konservatorium Augsburg frischte Gregor Heuer in den Jahren ab 1950 sein durch die langen Jahre des Krieges und der Gefangenschaft mitgenommenes Können wieder auf. 1952 legte er in München die Reifeprüfungen in Dirigieren und Kompositon ab, 1953 in Augsburg die Klavierprüfung.

1952 begann Gregor Heuer wieder mit dem Klavierunterricht und dem Neuaufbau einer privaten Klavierklasse. Bis zum Jahre 1955/56 gelang es ihm, durch eine stattliche Anzahl von Privatschülern seine Lebensumstände allmählich zu verbessern. Auch als Chorleiter und als Klavierbegleiter fand er wieder Anschluss.
Es folgten bis 1963 zahlreiche Klavierabende, hauptsächlich im süddeutschen Raum, sowie Konzerte als Liedbegleiter mit verschiedenen Sängern.
1963 musste sich Gregor Heuer für mehrere Monate in eine Lungen-Heilanstalt begeben. An eine Laufbahn als Konzertpianist war danach nicht mehr zu denken.


"
Die
Jahre in der Kriegsgefangenschaft haben meinen Kompositionsnerv zerrissen"
schrieb mein Vater Gregor Heuer 1956 in einem Brief an seinen Freund
in Tallinn, den Dirigenten Roman Matsov.
In diesen Jahren studierte er auch am dortigen Konservatorium bei Prof. Artur Kapp und Prof. Artur Lemba.

"Lind läks magama"
(1937 / Text: Anna Haava)
"Ainult sulle" / "Ein Gruß an Dich"
(ca. 1939 / Text: Anna Haava)
"Sind ootan" / "Dein' harr' ich"
(ca. 1939 / Text: Anna Haava)
"Kellahelinad kaugelt" (Drei Klavierprelüds)
für Klavier solo (Else Klement
gewidmet)
Viiulisonaat (Violinsonate) für Violine und Klavier
Kontsert klaverile ja sümfooniaorkestrile (Klavierkonzert)
Fantaasia klaverile ja sümfooniaorkestrile (Fantasie für Klavier und Orchester)
Keelpillikvartett (Streichquartett)
"Melodia" für Violine und Klavier (gedruckt
1938 in Tallinn)
"Hörst Du?" / Text: Th. Storm (30.12.1950)
"Grab in der Steppe" / Text: Robert Dörflinger (21.10.1953)
"Abschied" / Text: Robert Dörflinger
(28.10.1953)
"Sommertag" / Text: Robert Dörflinger (28.10.1953)
"Lob der
Stille" / Text: R. Dörflinger (30.10.1953)
"Gewitter" / Text: Robert
Dörflinger (3.11.1953)
"Du" / Text: Else-Maria Hassold (30.12.1953) (Centa
Strohmeier gewidmet)
"Im Frühling" / Text: Else-Maria Hassold (30.12.1953)
"Der Nachbar" / Text: R.M. Rilke (9.1.1954)
"Sonnenaufgang" / Nach einem Gedicht von R.
Dörflinger
für
Männerchor
(21.5.1955) (Uraufgeführt vom Männergesangsverein "Frisch Auf" Augsburg,
am 26.11.1955)
"Sonne" / Nach einem Gedicht von R. Dörflinger für
Männerchor
(22.5.1955)
(Uraufgeführt vom Männergesangsverein "Frisch Auf" Augsburg,
am 26.11.1955)
"Kleine Suite in D" für Klavier vierhändig (18./19.
April 1957)
"Übungsstücke für ganz kleine Geiger / Sonatine
G-Dur" für Violine und Klavier (28.11.1961)
"Marienlied 1" / Text: Hermann Hesse (7.6.1982)
In erster Ehe war Gregor Heuer verheiratet mit der Diplompianistin Else Klement (geboren 1915 in St. Petersburg). Sie starb im Jahre 1942 nach schwerer Krankheit in einem Lungensanatorium in Schömberg (Schwarzwald) nach einem Luftangriff.
Kreszens Strohmeier brachte aus ihrer ersten Ehe den 1945 geborenen Sohn Peter Strohmeier mit in die Ehe.
Meine Mutter, Kreszens Heuer, starb am 28. August 1971 nach einem langen Krebsleiden.
Im Oktober 1971 starb Gregor Heuers Mutter Berta Manteuffel im Alter von 83 Jahren.
Im Jahr 1972 heiratete Gregor Heuer seine Frau Maria Karoline Heuer, geb. Hammerl, die 17 Jahre an seiner Seite stand und das Leben mit ihm teilte. Gregor Heuer starb nach längerer Krankheit am 30. März 1989.
Leider ist es mir unmöglich, die zahlreichen und lieben Menschen, mit
denen mein Vater im Laufe seines Lebens in freundschaftlichem Kontakt stand,
alle aufzuzählen.
Stellvertretend seien hier diejenigen Freunde genannt, die mein Vater in seiner Zeit in Estland kennen gelernt und mit denen er später in persönlichem und/oder brieflichem Kontakt stand:
Roman Matsov, Tallinn
Harri Kiisk, Stockholm
Juhan Aavik, Stockholm
Carl-Otto Märtson und Eva Wilson-Märtson, Hannover
Ich bin zur Zeit intensiv auf der Suche nach den Kompositionen meines Vaters aus seiner Zeit in Tallinn. Wenn mir jemand dazu etwas mitteilen kann, würde ich mich über eine Email sehr freuen. Mehr auch im "Tagebuch" bei "Neues".
Mai 2005
Roland Heuer - Violinist und Kammermusiker. © 2005
Roland Heuer
Kontakt | Roland Heuer, Bergweg 1, D-71679 Asperg
e-mail: roland@heuer-asperg.de
telefon: +49(0)7141-661667 | fax: +49(0)7141-6499959